28.11.2013 - Die Neumannbaude - Bad Liebwerda No.156

Außerhalb vom Ort Liebwerda, hart an der Grenze zu Überschar noch ca. 300 m nördlich des Riesenfasses findet man heute ein Betriebskinderferienlager, welches auch von der Strasse Bad Liebwerda-Überschar am Hang oberhalb eines alten Wegkreuzes sehr gut sichtbar ist. Das ursprüng- liche Gebäude muß kurz nach 1843 erbaut worden sein, auf den Katasterkarten von 1843 ist es noch nicht verzeichnet. Mein Urgroßvater Ferdinand Neumann (*13.11.1869 Raspenau 264 / gest.29.11.1938 Liebwerda 156)  erwarb 1895 das Haus, kurz nach seiner Hochzeit mit Maria Ullrich (geb. 16.03.1874 Schönwald 138 / gest. 31.02.1969 in Hünfeld).  In den darauf folgenden Jahren kamen mein Großvater Josef, sein älterer Bruder Adolf und die Jüngere Schwester Anna zur Welt. Ferdinand arbeitete als Porzellanmaler in Haindorf, nebenher malte er auch Bilder, von denen heute noch einige erhalten sind, so auch das Haus 156  im Zustand 1900. Nach der Ausbildung seiner beiden Söhne (Opa als Kellner im Kaffee Kronprinz in Reichenberg; der Bruder als Koch  im Jeschken-Haus) machten sich Adolf und Josef daran, das Elternhaus aufwändig zur "Neumann-Baude" umzubauen. Wie auch andere Bauden in der Umgebung entsprach das dem damaligen Zeitgeist, Tourismus entwickelte sich und die Bemü- hungen waren von Erfolg gekrönt. Auch das danach erbaute Riesenfass stellte da keine ernsthafte Konkurrenz dar.1834 trennten sich die Wege der Geschwister, Opa Josef ging mit seiner Familie (verheiratet mit Emilie Hanisch aus Hegewald, In den Wiesen 51) nach Röchlitz/Reichenberg und eröffnete auch dort eine Gaststätte. Nach Krieg und Gefangenschaft erfolgte dann die Vertreibung 1946 und der Transport nach Dargun/Malchin, von wo aus sich die Familie dann in Finsterwalde N/L niederließ und beide bis zu ihren Tod im hohen Alter lebten. Mir bleiben da viele Erinnerungen aus den Erzählungen meiner Großeltern, die ich erst heute für mich neu entdecke; leider bleiben da viele Fragen offen....

Bruder Adolf bewirtschaftete die Neumann-Baude bis zu seinem Einzug zur Wehrmacht, auch er kam in Gefangenschaft, sollte seine Heimat jedoch nicht mehr wiedersehen. Die Baude wurde dann ver-   staatlicht und diente seither als Ferienlager. Dadurch entging sie dem Verfall wie viele andere ähnliche Objekte. Nach einigen notwendigen Innenumbauten hat sie bis heute ihr ursprüngliches Aussehen erhalten und ist in sehr gutem, dem Zweck angepassten Zustand. Bleibt zu hoffen, daß dies aufrecht erhalten werden kann und daß auch in Zukunft viele Kinder Erholung dort finden.

                                                                                                                                              W.J.



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