Die Bräuhausbrücke

Zwei Jahre nach der Beschädigung durch das Jahrhunderthochwasser von 2010 wurde die noch aus der Vorkriegszeit stammende Eisenbetonbrücke bei der Brauerei in Friedland abgerissen. Die neue Brücke wird mittlerweile an derselben Stelle der einstigen Bräuhausbrücke wieder aufgebaut. Dazu gehört neben der Neuerrichtung auch das Verlegen von Rohren für den künftigen Verlauf von Stromleitungen. Bereits am Montag, dem 20. August 2012 wurde mit dem Bau begonnen. Der Neubau wird von der Baugesellschaft „Integra stavby a.s.“ aus Reichenberg ausgeführt. Bis über die Wittig auch Autos fahren können, wird es aber noch dauern. Nach Verzögerung ist die Freigabe voraussichtlich für Ende März 2013 geplant. Nach Raspenau und Haindorf gelangt man am schnellsten über die Neustädter Straße. Diese erforderliche Umleitungsstrecke ist großräumig ausgeschildert.

 

Am Dienstagnachmittag, dem 9. Januar 1934 wurde die vom Bezirk Friedland errichtete "alte Bräuhausbrücke“ eröffnet und dem Verkehr übergeben. Ihre Vollendung bedeutete damals einen weiteren Fortschritt in der Ausgestaltung der heimischen Verkehrswege, die vom Bezirk durchgeführt wurde. Die Eröffnungsfeier, der außer den Vertretern der Bezirksbehörde die Mitglieder des Bezirksausschusses beiwohnten, wurde von Herrn Bezirkshauptmann Friedrich Petrasek mit einer würdigen Ansprache und mit der Schlusssteinlegung vollzogen.

 

Die Bräuhausbrücke verbindet Friedland mit den Gemeinden des oberen Wittigtales. Wie aus den Aufzeichnungen im Archiv des Schlosses Friedland entnommen werden konnte, bestand schon im Jahre 1658 an der gleichen Stelle eine hölzerne Brücke. Im Jahre 1696 wurde am der Stelle der bisherigen hölzernen Brücke eine gewölbte steinerne Brücke errichtet, bestehend aus einem Pfeiler und zwei Bögen. Schon am 20. Juni 1702 wurde diese Brücke von einem Hochwasser vollständig weggerissen. Für die folgende Jahre waren genauere Daten nicht feststellbar. Aus dem Jahre 1803 ist überliefert, daß am 10. Juni der Grundstein zu einer neuen Brücke gelegt wurde. Am 13. und 14. Juni 1804 erlitt die Brücke durch Hochwasser bedeutenden Schaden und musste einer gründlichen Ausbesserung unterzogen werden. Mit der Steigerung des Verkehrs stiegen auch die Erhaltungskosten dieser Holzbrücke gewaltig und der Bezirk entschloss sich im Jahre 1926, an Stelle der alten Holzbrücke eine Eisenbetonbrücke zu errichten.

 

Am 6. Oktober 1926 beschloss die Bezirksverwaltungskommission, nach Einholung von Angeboten der Firma Ing. Karl Hocke in Reichenberg den Auftrag zu erteilen, ein entspre-chendes Detailprojekt für den Neubau einer Eisenbetonbrücke 1. Klasse zum Preis von 11.220 Kč auszuarbeiten. Der Voranschlag dieses Projektes belief sich auf 276.304 Kč. Dieses Projekt wurde am 22. Oktober 1926 dem Landesverwaltungsausschuss vorgelegt. Im Jahre 1929 erhielt der Bezirk die Verständigung, dass eine Subvention hierzu aus Landesmitteln nicht erteilt werden kann. Die Bezirksbehörde ersuchte daraufhin das Ministerium für öffentliche Arbeiten, dem Bezirk aus dem Strassenfond für diesen Bau im Zusammenhang mit Strassenpflasterungsarbeiten in Haindorf, Raspenau und Mildenau eine Subvention zu erteilen. Am 2. März 1932 wurde dem Bezirk mitgeteilt, dass der Voranschlagsaufwand auf 265.000 Kč reduziert wurde und dem Bezirk für alle vorgelegte Projekte eine Subvention von 40% des Bauaufwandes, höchstens aber 440.000 Kč bewilligt wird. Die Bezirksbehörde schrieb die Vergabe des Brückenbaues am 18. Mai 1932 aus, worauf von zehn Bewerbern Angebote eingebracht wurden.Der Bezirksausschuss hat den Bau der Baufirma Ing. Karl Hocke in Reichenberg in der Sitzung am 28. Juni 1932 zugesprochen zum Betrag von 198.629 Kč. Im Auftrag der Landesbehörde wurden die bestehenden alten Fundamente der Pfeiler untersucht. An dieser Untersuchung beteiligte sich ein staatlicher Baufachverständiger, welcher feststellte, dass die Fundamente für den Neubau nicht geeignet sind. Die Firma Hocke musste nun das Projekt entsprechend umarbeiten, wodurch sich die Baukosten auf 213.788 Kč erhöhten. In der Zwischenzeit war die Wasserleitung des Bräuhauses Friedland, welche über die Brücke führte, in das Bett der Wittig verlegt worden. Die Verlegung dieser Wasserleitung führte der Bezirk Friedland mit einem Aufwand von 26.424 Kč durch und betraute damit die Firma Ernst Gutbier in Friedland. Der Pächter des Bräuhauses, die Firma Riessner & Bondy leistete dem Bezirke Friedland hierzu einen Betrag von 8500 Kč und übernahm die Leitung in seine dauernde Instandhaltung. Nach endgültiger Genehmigung der Ausführungspläne wurde mit dem Neubau am 28. August 1933 begonnen. Am 20. September wurde der rechte und am 9. Oktober der linke Pfeiler, beide in einer Tiefe von 3 Metern unter dem Wasserspiegel gebaut. Am 2. November wurde in Gegenwart der staatlichen Bauaufsicht die Brückenkonstruktion betoniert. Die Pflasterarbeiten an der Fahrbahn wurde am 28. November beendet und am 9. Januar 1934 die Verschalung der Brücke weggenommen. Die Breite der mit Granitwürfeln gepflasterten Fahrbahn betrug sechs Meter. Flussaufwärts war ein 1,5 Meter breiter und flussabwärts ein 0,40 Meter breiter Gehsteig angelegt worden. Die Gesamtbreite betrug 7,90 Meter, die Gesamtlänge 29,3 Meter. Beiderseits der Widerlager betrug die lichte Durch-flussweite 6,15 Meter, die zwei neuen Mittelpfeiler waren 95 Zentimeter stark. Der Brückenbelag bestand aus einer Eisenbeton-Plattenbalken-Konstruktion. Durch die Einsetzung der schmalen Pfeiler wurde das Lichtraumprofil vergrößert und dadurch die Wasserablaufverhältnisse wesentlich verbessert. Zu den Vorbereitungsarbeiten des Baues gehörte auch die Abtragung des alten Mauthäuschens, welches am rechten Ufer der Wittig neben dem Brückenkopf flussabwärts stand und die Sicht beeinträchtigte. Seine Abtragung wurde im Herbst 1929 vorgenommen. Die Statue des heiligen Johannes, die sich auf der Brücke befand, wurde während des Baues vor die Brücke versetzt und auf ein neues Fundament gestellt. Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen 277 125 Kč. Während der ganzen Dauer des Baues hat sich weder auf der Baustelle selbst noch auf der nebenan gelegenen und zur Umleitung des Verkehrs dienenden Notbrücke irgendein Unfall ereignet.

 

Text und Fotos: Stanislav Beran - 15.12.2012

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