Schlimmste Flutkatastrophe seit über 100 Jahren

Einen schwarzen Samstag erlebten am 7. August 2010 die Einwohner der Stadt Friedland. Nach langen und heftigen Regenfällen stieg die Wittig innerhalb von wenigen Stunden um ein Vielfaches an und verwandelte sich in kürzester Zeit in einen reißenden Fluss. An mehreren Orten fielen innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter - so viel wie normalerweise im ganzen Monat. Das Blitzhochwasser kam für die meisten Bewohner völlig überraschend. Nicht nur der Zugverkehr nach Weigsdorf, Raspenau, Weissbach sowie Heinersdorf musste vorrübergehend eingestellt werden, auch die Straßen standen unter Wasser und behinderten die Einsatzkräfte. Strom- und Telefonversorgung brach zusammen. Vielerorts fiel die Wasserversorgung aus. Kritisch war die Lage auch im Raum Raspenau, Dörfel, Weigsdorf und Tschernhausen. Das Zentrum der Stadt Friedland stand zweieinhalb Meter unter Wasser und war über Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Mehrere Einwohner flüchteten in ihrer Not auf Bäume oder Hausdächer und warteten dort stundenlang, bis sie von den Hubschraubern gerettet wurden. Rund 1000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Das Wasser führte Baumstämme mit sich, die Brücken fortrissen, die Ufer zerstörten und Ufermauern zum Einstürzen brachten sowie Gebäude demolierten und unter Wasser setzten. Sogar ein Wohnwagen wurde im Stadtpark bei der Kirche angeschwämmt. Überall wurden die Gemeindestrassen und Wege beschädigt. Die Gemeinden Raspenau hat allein sieben Brücken verloren. In Friedland wurden drei Brücken von den Wassermassen mittgerissen. Verschwunden ist die Brücke für Fussgänger bei der Schmiede am Schlossteich, die kleine Brücke hinter dem Schloss- Richtung Hag, sowie die Brücke biem Kino. Einige Gebäude sind einsturzgefährdet und müssen abgerissen werden. Erst in den Abendstunden kamen die Helfer vom deutschen Technischen Hilfswerk aus Pirna und Andersen Orten Deutschlands an. Gleichzeitig kam auch die tschechische Armee mit schwerem Gerät zur Hilfe. Aus dem Riesengebirge eilte die Bergrettung den Hochwasseropfern zu Hilfe. Um Hilfe ersucht wurde außerdem das Nachbarland Polen. Nach der Katastrophe begannen die Anwohner mit ersten Aufräumar-beiten. In vielen Dörfern und Städten bietet sich ein Bild der Verwüstung. Hunderte Feuerwehrlete Soldaten und freiwillige Helfer aus dem Ganze Land sind im Einsatz. Auch Todesopfer sind durch dei Katastrophe des ersten Augustwochenendes zu beklagen. In dem ehemaligen Kreis Friedland sind drei Menschen in den Fluten ertrunken. In Raspenau ertrank ein 83-järiger Mann in seiner Wohnung. Eine 73-jährige Frau, die aus dem tschechischen Hermsdorf stammt, wurde im polnischen Ort Reichenau tot aufgefunden. In Friedland wurde am Mittwochmittag die Leiche einer 50-jährigen Frau entdeckt. Mindestens drei webere Menschen werden vermisst. Nach dem Hochwasser hat die Polizei im Kreis Reichenberg Plünderer verhaftet. Drei Männer tschechischer Staatsbürgerschaft wurden dabei ertappt, wie sie aus einem Lager in Kratzau eine Videoanlage, einen Kinderwagen und Babywindeln trugen. Ebenfalls in Kratzau hatten am späten Montagabend wurden zwei Rumänen beim Plündern erwischt. In Raspenau wurden dann am frühen Dienstagmorgen drei Polen bei einem Einbruch in ein Wochenendhaus ertappt. Sie werden außerdem verdächtigt, aus zwei Autos Benzin entwendet zu haben. Die tschechische Polizei hat ihre Streifen in den hochwassergeschädigten Gebieten verstärkt. Im Kreis Reichenberg sind rund 700 Polizisten im Einsatz. Die Polizei kontrollierte auch alle Zufahrtsstraßen, um einen „Katastrophen-Tourismus“ einzudämmen. Durchfahrt wurde nur Anwohnern und Reisenden nach Polen gewährt. Meteorologen sprachen von einem tausendjährigen Hochwasser. Die Schäden im Landkreis Reichenberg werden auf mehr als 4 Milliarden Kronen (160 Millionen Euro) geschätzt. Damit übertrifft dieses Hochwasser alle bisher dagewesenen.

 

Text und Foto: Stanislav Beran (7.8.2010)

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