07.11.2013 - Stadt Friedland feiert tausendjähriges Jubiläum

     Franz Mohaupt (1854-1916)
Franz Mohaupt (1854-1916)

Der Sage nach wurde der Schlossberg um 1014 mit einem Turm gekrönt, der für die Reisenden Wegweiser war. Im Jahre 1278 verkaufte die Gegend König Przemysl Ottokar an Rulco von Bieberstein. Bis zum Jahr 1551 blieb die Herrschaft im Besitz der Biebersteine. 1558 erwarben sie die Rädern. Am 16. Juli 1622 kaufte Albrecht Graf Waldstein, der Herzog in Friedland, die Herrschaft. Am 25. Februar 1634 wurde er im Eger ermordet. Sein Eigentum kam an Kaiser Ferdinand II., der sie dem Grafen Mathias Gallas verlieh. Nach dem Ableben des letzten Gallas, 1749, fielen die Güter an die Freiherren von Clam. Bis 1945 befand sich Schloss Friedland im Besitz der Familie Clam-Gallas.

Im Rahmen der Millennium Feier hat die Stadt Friedland für die Besucher einige Veranstaltungen vorbereitet. Die Feierlichkeiten zur Eintausendjahrfeier haben am 19. Mai 2013 angefangen und enden am 21. Juni 2014. Verschiedene Angebote, die im Zeichen von Millennium stehen, sollen die Besucher anlocken: Fußballturnier um den Pokal des Friedländer Bürgermeisters, Discoabend für die Jugend, Wettbewerb der freiwilligen Feuerwehren um den Pokal des Friedländer Bürgermeisters u.v.m. Ebenfalls Bestandteil der Millennium Feier ist das alljährliche feierliche „Anzünden der Kerzen“ am Weihnachtsbaum. Jedes Jahr wird die Tanne mit Lämpchen behangen und weihnachtlich geschmückt. Dies ist nur ein Auszug aus dem Angebot der Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr. Das sind überwiegend Aktionen, die bis jetzt mit dem Millennium leider überhaupt nichts zu tun haben. Weitere Veranstaltungen werden laufend ergänzt und aktualisiert. Vereine und Institutionen können sich gerne an dem Fest beteiligen. Die von der Stadt angekündigte Überraschungen blieben bis heute aus.

 

Dieses Jubiläum ist ein guter Anlass, im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten in die Vergangenheit zu schauen. Ein Fest im ganz großen Stil, das war die dreitägige Feier „900 Jahre Friedland“. Das historische Heimatfest fand am 18., 19. und 20. Juli 1914 stat. Bereits im Jahr 1910 haben die Verantwortlichen mit den Vorbereitungen auf das große Spektakel begonnen. Mitglieder des Ehrenpräsidiums waren: Graf Franz Clam-Gallas - k. und k. Geheimer Rat und Kämmerer, Mitglied des Herrenhauses, Ritter des Leopold-Ordens, Herrschaftsbesitzer in Friedland. Josef Hirsch - Ritter des Franz Josef Ordens in Friedland. Heinrich Ehrlich - Bezirksobmann, Ritter des Franz Josef Ordens in Friedland. Ernst Edler von Siegmund - Großindustrieller, Ritter des Ordens der eisernen Krone in Friedland und Heinrich Kaulfersch - Bürgermeister in Friedland. Der Ehrenausschuss setzte sich aus 47 verdienten Bürgern zusammen, die bereit waren, dem Fest zum Ansehen zu verhelfen und an der Gestaltung des heimatlichen Brauchtums mitzuwirken. Gefeiert wurde damals buchstäblich mit Pauken und Trompeten. Bühnen und Stände wurden aufgebaut, die Besucher waren begeistert.

 

Während des Jubiläumsfestes fand vom 11. Bis 26. Juli 1914 in der Turnhalle eine Kunstausstellung heimischer Künstler statt. Gezeigt wurden Kunstwerke aus dem Bereich Malerei, Bildhauerei, Baukunst, Grafik und Keramik.

 

Am Samstag (18.7) ging der erste große Akt im Rahmen des Festes erfolgreich über die Bühne. Vom Rathausturm ertönten festliche Klänge der Fanfarenbläser, die das Fest eingeläutet haben. Die Johann Grohmannsche Kapelle aus Friedland hatte die Gelegenheit, sich mit einem Eröffnungskonzert dem Publikum zu präsentieren. Am gleichen Tag fand im Schützenhaus und im Reichshof ein gemütlicher Begrüßungsabend statt. Am Abend wurde die Stadt festlich erleuchtet.

 

Am Sonntag früh (19.7) wurden die Bewohner der Stadt durch Böllerschüsse geweckt. Um 7 Uhr waren wieder die Fanfarenbläser auf dem Programm. Die Vergangenheit der Stadt spielte auch eine große Rolle, als ab 10.00 bis 13,00 Uhr das von Julius Kraus (geboren in Friedland am 23. April 1870) verfasste historische Freilichtspiel „Aus Friedlands Vergangenheit“ den Besuchern präsentiert wurde. Bei der Vorstellung erwartete das Publikum eine unterhaltsame, kulturhistorische Zeitreise durch die Friedländer Geschichte. Hier kamen alle Freunde des Theaters auf ihre Kosten. Musikalisch begleitet wurde das Festspiel von der Kapelle des 74. Infanterie-Regimentes aus Reichenberg unter Leitung des Kapellmeisters Wilhelm Pochman. Die Musik zum Festspiel schrieb Dr. Hermann Grüger.

 

Bei der Aufführung wurde folgende Besetzung verwendet: 10 erste Violinen, 7 zweite Violinen, 5 Bratschen, 3 Celli, 4 Kontrabässe, 2 Flöten, 3 Oboen, 2 Klarinetten und Bassklarinette, 3 Fagotte, 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Basstuba, 3 Pauken, ein Paar Becken, Triangel und eine kleine Trommel, eine Glocke, eine Laute. Eine nochmalige Aufführung des Festspieles folgte am Sonntag, den 26. Juli 1914. Bei herrlichem Wetter und guter Laune wurde Nachmittag das 2. Konzert mit der Militärkapelle am Marktplatz abgehalten.

 

Gespielt wurde die „Festmusik“ von dem in Jäckelsthal/Friedland geborenen Komponisten Franz Mohaupt (1854-1916). Pünktlich um 14 Uhr begann dann der Festumzug durch die geschmückte Innenstadt. Der Umzug, angeführt von der Musikkapelle, ging vom Garten des Schützenhauses aus, bewegte sich durch die Schützengasse, Mühlgasse, Parkstraße, über die Bahnhofsbrücke, durch die Keiserstrasse, Reichenbergergasse zum Marktplatz, ging an dessen Südseite entlang, dann im Gegenzug auf das Rathaus zu, bog in die Schillergasse ein, ging durch die Jäckelgasse und Görlitzergasse zum Marktplatz und zog schließlich durch die Schlossgasse und Schützengasse zum Schützenhaus zurück. Auf dem Marktplatz wurde inzwischen bis in die späten Abendstunden ausgie- big gefeiert.

 

Abschluss der Jubiläumsfeier war am Montag (20.7.). An diesem Tag wurden noch zwei Konzerte abgehalten - das Vormittagskonzert im Schlosspark und das Nachmittagskonzert auf dem Festplatz. Besucher hatten auch die Gelegenheit, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Sonntag und Montag gab es noch die Hans-Sachs-Spiele. Somit gingen drei schöne und sicher auch unvergessliche Tage zu Ende.

                                                                                                      Text und Fotos: Stanislav Beran

 

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