Albrecht von Wallenstein ist wieder da…

Am Samstag 24. September 2011 wurde der "Neue Marktplatz" in der Wallensteinstadt Friedland in Nordböhmen eingeweiht. Gleichzeitig wurde das neue Wallensteindenkmal enthüllt und der neue Brunnen den Einwohnern der Stadt vorgestellt. Das Stadtzentrum, in dem sich historisch wertvolle Renaissance und Barock-Häuser befinden, steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Acht Jahre lang wurde den Bürgern der Stadt ein neuer Marktplatz versprochen. Leider fehlte immer das notwendige Geld dazu. Dieses Jahr war es endlich so weit. Die Ver- sprechungen der Stadt wurden jetzt in die Tat umgesetzt. Die Friedländer dürfen froh sein, dass ihr Marktplatz endlich ein neues Gesicht bekommen hat - der alte Platz wurde modernisiert. Für die baulichen Massnahmen wurden insgesamt 37,3 Millionen Kronen investiert. Aus der Europäischen Union (Fond für die Regionale Entwicklung) und dem Staatshaushalt kommen 32,7 Millionen. Der Anteil der Stadt Friedland beträgt 4,6 Millionen Kronen. Es war eine der größten Investitionen der Stadt in den letzten 15 Jahren. Ohne finanzieller Unterstützung wäre die Realisierung nur schwer möglich gewesen.

 

Die Bauarbeiten wurden in mehrere Etappen eingeteilt und starteten am 7. April 2010. Die Anlieger wurden über die Details in zwei Versammlungen informiert. Eine verkehrsreiche Hauptstraße, die durch den Marktplatz führte, wurde schon vor Jahren für den Individualverkehr zugunsten einer Fußgängerzone stillgelegt. Vor der Erneuerung wurden Ausgrabungen vom Archäologen durchgeführt. Gleichzeitig wurden auch die Leitungen für Kanalisation, Wasser, Strom, Gas, Telefon und Beleuchtung neu verlegt. Danach wurde der Platz neu gepflastert. Teilweise musste die alte Tragschicht aus Asphalt abgefräst werden. Auch eine neue Beleuchtung an dem Rand der Fußgängerzone wurde instaliert. Für Touristen wurde vor der Kommerzbank eine verglaste und beleuchtete Informationstafel aufgestellt. Zwei Trinkbrunnen sind an das Trinkwassernetz angeschlossen und sorgen in der heißen Sommerzeit für Frische und Abkühlung. Für Sauberkeit sorgen 12 neu aufgestellte Mülleimer. Für die Radfahrer sind zwei Fahrradständer für insgesamt 18 Fahrräder vorhanden.

 

Die überlebensgroße Wallenstein Statue steht auf einem Sockel aus feinkörnigem Granit, in dem sich mehrere Bohrungen befinden. Auch der Brunnen ist aus Granit. Er ist nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet und wird mit hellem Licht angestrahlt. Zwischen dem Brunnen und dem Denkmal befindet sich eine in den Boden eingelassene Bronzetafel, die an Wallenstein erinnert. Besonde­ren Wert legten die Architekten auf die Gestaltung von zwei großen Flächen auf dem Platz. Die eine Fläche liegt vor der Konditorei La Cafe (ehemals Feinkost Hagenauer), da entstand ein begrüntes Areal mit neu gepflanzten Platanen und Parkbänken. Daneben befinden sich noch zwei Restaurants. Bei schönem Wetter kann man es sich sogar an kleinen Tischchen draußen gemütlich machen. Die zweite Fläche ist vor dem Rathaus. Auf ihr befinden sich vier aus Holz gefertigte Flaggenmasten.

 

Das Fest startete mit einer Zumba Tanzgruppe aus Friedland. Beteiligt haben sich da die Schüler der örtlichen Grundschulen. Dann folgte die Tanzgruppe Ambrosia, die sich später noch einmal auf dem Marktplatz vorgestellt hat. Nach der Festansprache von Bürgermeister Dan Ramser wurde die feierliche und lang ersehnte Enthüllung vorgenommen. Eingeladen waren Gäste aus Kultur, Verwaltung und Politik. Für das leibliche Wohl sorgte die Freiwillige Feuerwehr. Am Abend ging es auf der Bühne vor dem Rathaus mit der Musikgruppe Krištof weiter. Mit der Umgestaltung der Innenstadt zu einer attraktiven Fußgängerzone soll die Stadt Friedland zu einem kulturell attraktiven Ort in dem Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien werden.

 

Die Vorgeschichte des Wallensteindenkmals begann im Jahre 1914. Damals schenkte der Stadtarzt Dr. Josef Kubasta der Stadt Friedland einen Marktbrunnen im Wert von 19.000,- Kronen. Der Bau wurde nach dem Entwurf des akademischen Bildhauers Heinrich Scholz ausgeführt. Er gab auch den Anstoß ein Denkmal für den berühmtesten ,,Friedländer,, zu setzen. Die Wallensteinfigur sollte als Krönung folgen. Wallenstein erwarb sich bei den Friedländern besondere Anerkennung durch sein Eintreten für die Stadt in den Friedensverhandlungen mit dem Kaiser. Wegen des 1.Weltkrieges wurde alles verschoben. Die Einwohner gewöhnten sich an den Brunnen ohne Denkmal und pflanzten auf dem leeren Brunnensockel Blumen an. Bei dem Besuch der Heimat im Jahr 1926 hat der Bildhauer neue Freunde für seinen Plan geworben. Erst 1932 wurde der Plan aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Das Fest 1914 hat den Grund gelegt, das Fest 1934 hat das Werk vollendet. Die Errichtung des Denkmals wurde durch die Unterstützung zahlreicher Bürger und Vereine der Stadt ermöglicht.

 

Heute steht Wallenstein auf dem gleichen Platz, auf dem er am Samstag 23. Juni 1934 um 17,30 zu seinem 300. Todestag, enthüllt wurde. Er ist 2,5 Meter hoch und aus Bronze gegossen. Angefertigt hat ihn in seinem Wiener Atelier der akademische Bildhauer Heinrich Karl Scholz. Wie die damaligen Zeitungen berichteten, wurde die Wallensteingedenkfeier von über 30.000 Festgästen aus dem Sudetenland und aus den Nachbarländern besucht. Keiner wollte die historische Feier in der Wallensteinstadt versäumen. Hier war jeder Besucher vom Zauber der Vergangenheit eingefangen. Die Stadt wurde für den festlichen Empfang lange vorbereitet. Freiwillig hat sich aus mehreren Personen ein Dekorationsausschuss gebildet, der mit vereinten Kräften und von den Bewohnern Friedlands unterstützt, das oben angeführte Ziel erreicht hat. Alle Auskünfte zur Dekoration der Stadt erteilte damals der Obmann des Dekorationsausschusses Herr Gottfried Wurbs, Fotograf in der Görlitzer Strasse. Vor den Friedländern standen große Aufgaben, die restlos bewältigt wurden. Die Stadt wurde festlich geschmückt, alles schon dagewesene wurde übertroffen. Als Ehrengast und Protektor war unter anderem die Herrschaftsbesitzerin in Friedland, Frau Clothilde, Gräfin von Clam Gallas eingeladen. Die Sitzungen des Hauptausschusses fanden in dem Gasthaus ,,Zum Kannl,, und im ,,Hotel Schabestiel,, statt. Da die in den hiesigen Hotels und Gasthöfen zur Verfügung stehenden Unterkünfte für die Nächtigung keinesfalls ausreichten, sind einige Tage vor der Feier die Herren von dem Wohnungsausschuss von Haus zu Haus gegangen und registrierten viele freie Bürgerquartiere. Damals rechnete man von seiten der Bevölkerung auf volles Verständnis und Entgegenkommen. Die Unterbringung erfolgte grundsätzlich gegen Bezahlung durch die Quartiernehmer. Es stand auch eine entsprechende Anzahl von unbezahlten Quartieren zur Verfügung, da bei einer grösseren Gruppe von auswärtigen Festgästen auf eine kostenlose Unterbringung Wert gelegt wurde. Die Freistellung der Quartiere wurde als Spende angesehen und war entsprechend ausgewiesen. Der Festspielausschuss trat mehrmals an die Bevölkerung von Friedland und Umgebung mit der Bitte heran, sowohl bei den Festspielen wie beim Festzuge der Wallensteinfeier mitzuwirken. Es war beabsichtigt, Schillers »Wallensteins Lager« und den Einzug Wallensteins aus dem Festspiel »900 Jahre Friedland« in grosser Aufmachung zu bringen. Da die endgültige Anzahl der zu bestellenden Kostüme festgesetzt werden musste, ersuchte der Festspiel- ausschuss alle Damen und Herren, die bereit waren beim Festspiel mitzuwirken, sich möglichst bald zu melden. Selbstverständlich waren auch sämtliche Mitwirkende des Festspieles am Festzug beteiligt. Die Meldungen zur Mitwirkung konnten entweder beim Obmann des Festspielausschusses Dr. Hermann Grüger oder in der Buchhandlung Reinhard Weber erfolgen.

 

Der Feierliche Umzug, an dem sich mehr als 36 Gruppen beteiligten, war eine großzügige Darbietung des Lebens zu Wallensteins Zeiten. Die Landjugend des Friedländer Bezirkes war mit fast 200 Pferden vertreten. Auch drei Musikkapellen waren dabei. An dem historischen Festzug durch die Stadt haben sich ca. 700 Mitwirkende (davon allein 260 Berittene) mit historischen Gewändern beteiligt.

 

Der in unserer Gegend einzigartige Festzug zog vom Krankenhaus durch die Schützengasse über die Schlossgasse, ging durch die Mühl- und Clam-Gallasgasse, über die Bahnhofbrücke, zog die Aue entlang und führte über die Ringenhainer Brücke und durch die Reichenberger Gasse zum Marktplatz. Weiter zog er an der Südseite des Marktplatzes entlang, bewegte sich im Gegenzug auf das Rathaus zu, bog in die Schillergasse ein, wendete sich durch die Jäckel- und Görlitzergasse zum Marktplatz zurück und zog schließlich durch die Schloss- und Schützengasse zum Ausgangspunkt, wo er sich aufgelöst hat.

 

Der Höhepunkt war die Enthüllungsfeier, an der neben den Gästen auch Friedländer Vereine, die Stadtvertretung und eine Reihe von Ehrengästen teil genommen haben. Sie wurde von der Musikkapelle Grohmann mit der Ouvertüre zu Schillers Dramen-Trilogie »Wallensteins Lager« von Franz Rosenkranz eröffnet. Weiter bestand sie aus kurzen Ansprachen des Bezirksinspektors Josef Mühlberger, des Obmannes des Anpflanzungs- und Verschönerungsvereines Herrn Direktor Emil Thamm und des Bürgermeisters Herrn Franz Jomrich. Die Festrede wurde von Dr. Josef Mühlberger aus Trautenau gehalten. Die Feier endete mit dem Chor des Deutschen Gesangvereines und dem bekannten »Die Himmel rühmen« von Ludwig van Beethoven. Musik und Gesang verliehen der Feier einen festlichen Rahmen. Ein Teil der Feier wurde auch im Rundfunk übertragen.

 

An den zwei Festsonntagen befand sich auf dem Marktplatz auch ein Postamt, auf dem alle Sendungen einen Sonderstempel mit dem Text »Wallenstein-Gedenkfeier Friedland« erhielten. Die Philatelisten hatten ein großes Interesse daran gehabt. Das Museum Friedland veranstaltete im Rahmen der Wallensteingedenkfeier einige Sonderausstellungen. Die erste war dem Werke des heimischen Künstlers Pfeifer-Fried gewidmet und fand in den Räumen des Städtischen Museums statt. Sie zeigte in knapper Form ein Bild des Schaffens von 1918 an. Die Sonderausstellung hatte einen Einblick in das Werk des damals 50jährigen Künstlers gegeben. Eine weitere Ausstellung fand auf dem Schloss statt.

 

Zweimal fand in dem Schützenhaus eine Aufführung eines neuen Wallensteindramas von Dr. Josef Mühlberger statt. In der Festwoche wurde auf der Schützenhausbühne auch die Darstellung Wallensteins Tod aufgeführt. Durch diese Darbietung wurde fast die ganze Wallenstein Trilogie von Schiller in das Festprogramm aufgenommen.

 

Jahre später musste der Herzog von Friedland seinen Platz räumen. Das bedeutende Denkmal wurde nach der Vertreibung 1945 aus „ideologischen“ Gründen von ihrem Podest gerissen. Der Brunnen wurde zerlegt und zum Bau eines Selbstbedienungsladens benutzt. Die Wallensteinstatue wurde im letzten Moment vor der Verschrottung gerettet und verschwand in einer Ecke auf dem Friedländer Schlosshof. Die letzten drei Jahre vor der Enthüllung verbrachte die Bronzestatue auf dem Rathaushof. Jetzt ist der erfolgreichste Feldherr seiner Zeit, Herzogvon Friedland, Fürst von Sagan, Herzog zu Mecklenburg und der Oberbefehlshaberder kaiserlichen Streitkräfte im Dreißigjährigen Krieg, wieder auf seinem alten Platz zurück. Mit der Rückkehr des Denkmals ist ein langer Wunsch in Erfüllung gegangen. Ein Wunder ist wahr geworden. Er hat die schwere Zeit überstanden…

  Stanislav Beran (24.9.2011)

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