Hanisch's Drechslerei in Hegewald "In den Wiesen 51"

Ferdinand Hanisch aus Hegewald
Ferdinand Hanisch aus Hegewald

Mein Urgroßvater Ferdinand Hanisch wurde 1865 in Karolinthal geboren. Die mir bisher bekannten Wurzeln der Familie Hanisch liegen seit ca.1670 in Rückersdorf, bevor ein Sprössling 1783 sich in dem zu dieser Zeit neu entstandene Karolinthal niederließ. Dort lebte die Familie über mehrere Generationen in der No.13.

 

Ferdinand Hanisch erwarb 1889 die ehemalige Glasschleiferei Hegewald 51 und heiratete 1891 meine Urgroßmutter Emilie Krause aus Lusdorf No.39.

In den Jahren 1891 bis 1902 kamen 7 Kinder zur Welt, eine Tochter (meine Oma) heiratete Josef Neumann aus Liebwerda 156/ Neumannbaude. Ihre ältere Schwester heiratete Josef Ullrich aus Hegewald No.28 und betrieb das Gasthaus "Gambrinus" in Neustadt/Schiessergasse. Besonders tragisch war der Tod des 3jährigen Wilhelm, der 1905 am Wehr der Lomnitz ertrank. Die Glasschleiferei baute Ferdinand als Drechslerei um, fertigte dort anfangs Möbelteile, später Holzschmuck und Knöpfe. Rosenkränze und anderer Schmuck wurde nach Gablonz  geliefert und von dort aus exportiert. Zu Zeiten guter Auftragslagen wurden bis zu 30 Arbeiter beschäftigt (meist Heimarbeiter). Nach dessen Tod wurde die Drechslerei 1925 an seine Witwe übertragen, die sie bis Mitte der 30er Jahre inne hatte und dann ihrem jüngsten Sohn Ferdinand übertrug. Dieser führte den Betrieb bis zur Umsiedelung weiter; ihn verschlug es nach 1946 nach Kühlungsborn, später übersiedelte er in eine der westlichen Besatzungszonen. Der zweite Sohn Alfred verstarb 1932 an den Spätfolgen eines Lungenschusses im 1. Weltkrieg. Die Familie hat es durch harte Arbeit, Fleiß und Ideen zu einigem Wohlstand gebracht; schon in der 20iger Jahren besaß man ein Auto und das erste Radio im Ort. Auch ein eindrucksvolles Familiengrab auf dem heute nicht mehr existierenden Friedhof in Hegewald zeugte davon. In den Jahren 1895 bis 1914 war Ferdinand Hanisch als Gemeinderat von Hegewald aktiv und genoss im Ort ein hohes Ansehen.

 

Nach 1946 wurde die Gegend militärisches Sperrgebiet, so dass meine Oma auch bei späteren Besuchen in der alten Heimat ihr Geburtshaus nie wiedersah. Erst vor etwa 2 Jahren ist es gelungen, die Überreste der Gebäude zu entdecken. Einige Grundmauern und mechanische Teile, die wohl noch von wasserbetriebenen Maschinen stammen deuten auf den Standort, der ansonsten fast von der Natur zurückerobert wurde.

                                                                                                                   Wolfram Jäckel - Berlin

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