HISTORIE - 1700 - 1800

um 1700

 

(Quelle: Die Friedländer Volkskunde, Friedland 1926; Nachdruck Hünfeld 1968)

 

„Für den herrschaftlichen Bedarf an Vogelfleisch hatten seit der ältesten Zeit bestimmte Untertanen zu sorgen, denen das Vogelstellen als Robotleistung zugeteilt war….Über die Taubensteller, die jährlich 6-25 Tauben zu zinsen hatten, wird ein besonderes Register geführt. …zu Hohenwald war eine beliebte Fangstätte „Im Wäldichen“.“ (S.98)

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1703

 

hatte der Ort einen Kretscham und 8 alte Gärtner-Häuser. In diesem Jahre wurden von der Obrigkeit 4 neue Gärtner-Häuser auf eigene Unkosten aufgebaut und am 12. August 1703 an Hanns Georg Hausmann, Christoph Fränzel, Christ. Storm und Christoph Wagner verkauft  mit einer 3jährigen Robotfreiheit, das heißt, die Käufer brauchten in dieser Zeit keine unentgeltlichen Arbeiten für den Grundherren zu leisten.

 

Seit seiner Gründung vor etwa 100 Jahren hatte sich die Anzahl der Häuser nicht erhöht, aber die negativen Auswirkungen der Rekatholisierung schienen überwunden zu sein.  

 

Frühjahr 1728

 

(Quelle: Geschichte der Gemeinde Einsiedel, 1929 (jetzt: Mnišek), S.76

 

 „ Der Ertrag der Waldungen hat sich seit der Einführung einer vernünftigen Forstwirtschaft bedeutend erhöht, wozu noch der Umstand tritt, daß der Preis des Holzes infolge des zunehmenden Bedarfs wesentlich gestiegen ist. … Der Verkauf des in den obrigkeitlichen Wäldern geschlagenen Holzes geschah früher immer auf besonderen „Holzmärkten“ zu St. Georgi (23. bzw. 24.4.) und St. Galli (16.10.).

 

Im Frühjahre 1728 ergab der Stammholzverkauf … in Hohenwald für 67 Stämme 59 fl. 30 kr. Das zum Abschlag kommende Holz wurde in Gegenwart des Amtmannes, des Oberjägers und der Förster ausgewählt und vom Oberjäger mit dem „Wald- oder Holzzeichen“ versehen. Das Holz hatten die Käufer im Verlaufe eines halben Jahres selbst zu fällen. Geschah dies nicht, oder blieb das gefällte Holz bis zum nächsten Holzmarkte im Walde, verfiel es wieder der Obrigkeit.

 

Es ist dies die Zeit, in welcher die Schäden, die der 30jährige Krieg geschlagen hatte, allmählich zu heilen begannen und die ersten zaghaften Versuche zur Einführung einer modernen Waldwirtschaft unternommen wurden….Der Zustand der Wälder war um 1730 vielerorts sehr unerfreulich….1732 wird eine Zustandsbeschreibung des Waldes angelegt….Die Beschreibung beginnt mit den ältesten Revieren unseres Gebietes. „Das Wäldichen“ liegt zwischen Hohenwald und Hermsdorf und grenzt mit Sachsen. An Holz sind hier Tannen, Buchen und Erlen vorhanden…Zur Zeit (1732) ist er „völlig ausgehauen“, sodaß ihm eine längere Schonzeit gut tut.“ (S.77/78)

 

Der Holzhandel lag bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts in den Händen der Untertanen. (S.88/89)“

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Die Hoffnung auf  ein zukünftiges friedliches Leben wird jedoch bald wieder zerstört.

1740

entbrennt der Österreichische Erbfolgekrieg.

(Quelle: Internet)

 

Friedrich II. fürchtete das Erstarken Maria Theresias und glaubte, dass Österreich nach einem Sieg über Frankreich versuchen würde, sich erneut Schlesiens zu bemächtigen. Deshalb erneuerte er sein Bündnis mit Frankreich und griff im August 1744 in Böhmen an und eröffnete dadurch den Zweiten Schlesischen Krieg. Dieser ist Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges. Im September wurde Prag belagert und eingenommen. Als Friedrich II. weiter vordrang, schnitten ihm österreichische Husaren den Nachschub ab. Von allen Seiten bedrängt durch die österreichischen Reservetruppen, die sächsische Armee und schließlich auch durch das Heer Karls von Lothringen, musste sich Friedrich II. nach Schlesien zurückziehen.

 

Josef Schubert schreibt in seiner „Geschichte von Olbersdorf, Hohenwald, Christiansau und Dittersbach“, erschienen 1908:

 

„Bis zum Jahre 1744  verspürte man in Hohenwald…wenig von Kriegsereignissen. Doch dann kamen die preußischen Truppen, welche vordem meist die Elbegegenden heimgesucht hatten, auch hierher. Zuvor hatten sie im September Prag eingenommen, mußten im November die Stadt aber wieder räumen.

 

Das preußische Heer nahm seinen Rückzug über Leitmeritz, Leipa, Gabel, Weißkirchen und Wittig.

 

Am 10. Dezember 1744 (nachmittags) wurden die Preußen in Hohenwald von ungarischen, polnischen und sächsischen Auxiliar- (Hilfs-)Truppen umzingelt und mußten allda „bey größter Kälte und tiefstem Schnee, bei mangelnder Vourage und Proviant“ einige Tage im Freien kampieren.“

 

Während der Zeit des Lagerns hatten die erfrierenden, vom Hunger geplagten (feindlichen) preußischen Soldaten in ihrer Not oder aus Rache alle Häuser bis auf das des Georg Zücker (Nr. 8), in welchem der kommandierende General Graf Friedrich Rudolf von Rothenburg einquartiert war, abgerissen, verwüstet und verbrannt.

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Über die Ereignisse 1744 in und um Hohenwald und im Friedländer Bezirk gibt es ein sehr großes Maß an Veröffentlichungen (zu finden bei Internetrecherchen).

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Und es zeigte sich, dass der Katastrophentourismus keine Erfindung der heutigen Zeit ist.

Im „Adreßbuch des politischen Bezirkes Friedland in Böhmen“, 1925, S.7 ist zu lesen:

 

„Im März 1745 strömten Friedländer scharenweise nach Hohenwald, um das verlassene preußische Lager auszugraben, das noch vom Dezember 1744 auf der Hohenwälder Höhe unterm Schnee lag. Gegenstände von Wert hatten die Herbeigeströmten zu finden gehofft. Sie kamen aber nicht auf ihre Rechnung, denn sie wurden gezwungen, die zahlreichen preußischen Soldaten zu bestatten, die infolge des strengen Winters erfroren, zum Teil noch mit dem Gewehre im Arme, unter dem Schnee lagen.“

 

In Hohenwald wurden noch viele, viele Jahre später beim Pflügen der Äcker Kanonenkugeln vom Jahre 1744 gefunden, welche von Österreichern (?) geschossen wurden. 1908 besaß  Franz Zücker (Nr.22) eine Kugel und je 2  Stück Josef Schwarzbach (Nr.25) und Anton Nührig (Nr. 4).

 

1746  

 

(Quelle: Josef Schubert „Geschichte von Olbersdorf, Hohenwald, Christiansau und Dittersbach“, 1908)

 

Die Bewohner Hohenwalds blieben in der Umgebung zerstreut bis 1746, in welchem Jahre die Häuser auf Unkosten der „Gnädigen Obrigkeit“ wieder aufgebaut und einem jeden Wirt am 8. Jänner 1749 verkauft und zugeschrieben wurden. Vom Jahre 1746 bis 1749 hatten die Wirte die Häuser unentgeltlich besessen.

 

Laut Schöppenbuch (die Kaufurkunden sind darin zu finden) waren folgenden Besitzern die Häuser verwüstet worden und kauften diese dieselben wieder. Beim Nichteinhalten des Kaufes mußten sie der Gnädigen Herrschaft 8 Schock und den Gerichten Hohenwalds ½ Faß Bier zahlen.

 

Darnach übernahmen:

 

Johann Zücker, Scholtes Nr.1,  seinen neuerbauten Kretscham samt Scheune für 659 Schock. 28 Gr., 2 Pfennig;

Johann Zücker Nr.2 für 153 Schock,

Josef Geißler Nr. 3 für 153 Schock, 17 Gr. 1 Pfennig;

Gottfried Ressel Nr.4 für 72 Schock, 21 Gr., 6 Pfennig;

Hans Burkhart Nr.5 für 153 Schock, 17 Gr., 1 Pfennig;

Georg Passig Nr.6 für 153 Schock, 51 Gr., 3 Pfennig;

Josef Storm Nr.7 für 153 Schock;

(Anmerkung: Nr.8 Georg Zücker war nicht zerstört wegen der Einquartierung des Kommandeurs)

Gottfried Menzel Nr.9 für 153 Schock;

Hans Chr. Hermann Nr.10 für 153 Schock;

Hanns Christoph Zücker Nr.11 für 153 Schock, 17 Gr., 1 Pfennig;

Gottfried Rieger Nr.12 für 166 Schock, 25 Gr., 6 ½ Pfennig;

Hanns Friedrich Wagner Nr. 13 für 153 Schock, 17 Gr., 1 Pfennig;

Hanns Chr. Peuker Nr.14 hatte das Wohnhaus seit 1746 besessen, aber hatte nichts entrichten können, deshalb verkaufte es die Herrschaft am 6. Jänner 1749 dem Hanns Georg Zücker um 154 Schock 10 kr (Kreuzer).

 

Auf jedem neuerbauten Hause lasteten 13 Robottage, 7 kr. Georgi-, 7 kr. Gallazins und 10 kr. Spinnergeld. Die Bewohner waren verpflichtet, in der Hermsdorfer Mühle Nr.7 mahlen zu lassen.

 

Anmerkung:  St. Georgi (23. bzw. 24.4.) und St. Galli (16.10.).

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1771

 

(Quelle:  J. Schubert „Geschichte von Olbersdorf, Hohenwald, Christiansau und Dittersbach“, 1908)

 

Im Jahre 1771 fand die Nummerierung der Häuser statt. Die Nummerbrettchen waren meistens aus Glas, mit einem schwarzen Untergrund, mit einem in Silberbronze versehenen kaiserlichen Adler, in demselben befand sich in der Mitte in Goldbronze die Hausnummer, um das ganze war eine Umschrift mit den Worten: Der Kaiser hat befohlen zu nummerieren, und so thue ich seinen Befehl respectiren. Anno 1771.

 

In Hohenwald besitzt Franz Zücker No.22 (im Jahre 1908) noch ein solches Nummerbrettchen, aber von 1790 mit der Hausnummer 11. Auf beiden Seiten sind noch die Buchstaben G. Z. (Gottfried Zücker).

 

Anmerkung:

Dieses Nummernschild hat mein Urgroßvater im Jahre 1910 dem städtischen Museum in Friedland (Rathaus) übergeben. 1927 ist es noch vorhanden. Trotz mehrfacher Versuche der Kontaktaufnahme konnte ich nicht klären, ob sich dieses Nummernschild noch im Bestand des Museums in Friedland befindet.

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13.11.1777

 

Am 13. November 1777 starben die Gedinggärtnerseheleute Gottfried und Anna Elisabeth Rieger, Nr. 12, in Hohenwald und wurden am 15. November beerdigt.

 

Dieselben hatten 4 fl. 16 kr. C.M. laut Schöppenbuch zur Hohenwälder Kreuzstiftung gespendet. Das ursprüngliche Kreuz war aus Holz mit einem blechernen Heilande, wurde 1777 errichtet und im Jahre 1819 restauriert, in den 1860er Jahren wegen gänzlichen Verfalles abgetragen und 1868 ein neues eisernes Kreuz auf steinernen Sockel gesetzt.

 

Am 29. Juni 1902 nachmittags wurde das erneut renovierte Hohenwalder Dorfkreuz geweiht.

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1778

 

Zur Zeit des Bayrischen Erbfolgekrieges 1778/79 (des sogenannten Preußenrummels) hielten sich mitunter einzelne feindliche Soldatenabteilungen im Orte auf.

 

Anmerkung:

Ausgetragen wurde der Bayerische Erbfolgekrieg, weil der österreichische Kaiser Joseph II. Ansprüche auf Niederbayern und die Oberpfalz stellte, deren bisherige Herrscher seiner Meinung nach keine legitimen Nachfolger hatten. Mit seinen Ansprüchen geriet er in einen gewaltsamen Konflikt mit Friedrich II. von Preußen. Dieser begann am 5.Juli 1778 mit dem Einmarsch in Böhmen mit seiner 80 000 Mann starken Armee.

 

Der Vormarsch kam jedoch wegen Versorgungsschwierigkeiten bald zum Stehen. Ohne eine Schlacht geschlagen zu haben, rückten die Soldaten im Oktober in die Winterquartiere ein. Verharmlosend galt der Krieg als „Zwetschkenrummel“ und „Kartoffelkrieg“, weil er hauptsächlich um den Lebensmittelnachschub geführt wurde und die Soldaten beider Mächte sich auf den Äckern um die Kartoffeln stritten. Für die Bevölkerung hingegen war die Zeit jedoch sehr schwer.

 

Aber auch dieser Krieg ohne Kampfhandlungen kostete 1500 Soldaten auf beiden Seiten das Leben: Sie starben an der Roten Ruhr!

 

17. September 1779

 

Wenige Monate nach der Beendigung des Preußenrummels besuchte der Kaiser Josef II. bei seiner Durchreise Friedland. Die Nacht vom 16. zum 17. September 1779 war Kaiser Josef II. Gast … im Friedländer Schlosse . Am 17. September reiste er nach eingenommenem Frühstück über Ringenhain, Dittersbach, Olbersdorf über Hohenwald dann über Lichtenberg, Oppelsdorf, Sommerau nach Gabel.

 

1785

 

(Quelle: Friedländer Heimatbrief, Juni 1963, S.3 (Aufzeichnungen von Franz Krause, Raspenau, Requisitenmeister)

 

Am 10. Juli 1785 trat in unserer Gegend eine außergewöhnliche Kälte ein, die bis August anhielt. Die Berge in Raspenau sowie das Isergebirge waren im Hochsommer mit Schnee bedeckt.

 

1787

 

Am 23.Dezember 1787 herrschte in hiesiger Gegend eine ungewöhnlich heftige Kälte, verbunden mit heftigen Schneestürmen. Viele Menschen sind erfroren und verunglückt.

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1794

 

Hohenwald hatte 22 Häuser und 118 Einwohner.

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